5. Juni 2016

Pause ohne Anfang

Dinge anfangen und sie nicht fortführen – das konnte ich schon immer gut. Voller Tatendrang (oder eher Schreibdrang) startete ich im November diesen Blog-Versuch und nahm mir vor, hier regelmäßig alles zu teilen, was mir Freude macht. Das machte ich dann genau drei Mal, bevor mir mehrere Faktoren dazwischen funkten. Da war zum einen die Uni, die sich vor Weihnachten in ein Stressmonster zu verwandeln schien und zum anderen dieser neue Job, der so unerwartet wie schnell kam. Neben der neuen Doppelbelastung wollte ich meine freie Zeit hauptsächlich ruhig verbringen und auf das Schreiben von Blogposts hatte ich dann zugegebenermaßen einfach keine Lust. Wer beruflich viel schreibt, kennt das sicher – vor allem am Anfang eines solchen ‘Kreativjobs’. 

Inzwischen haben sich die Dinge angenehm eingependelt. Der Stress ist im neuen Semester – das sich inzwischen schon rasend schnell dem Ende zubewegt – zwar nicht weniger geworden, ich habe aber gelernt, mir die Zeit sinnvoller einzuteilen und effizienter zu arbeiten. Der Sommer ist da und bringt so viele Veränderungen mit. Und plötzlich ist sie wieder da: Die Motivation zum Schreiben – und zwar nur für mich. Nicht für die Arbeit, nicht für die Uni, nur für mich (und irgendwelche Menschen, die meine Zeilen vielleicht lesen werden). 

Wir werden sehen, wie lange diese neue alte Motivation anhalten wird. In den kommenden Monaten steht Vieles an. Aufregendes, Schönes, über das es sich sicherlich zu berichten lohnt. Vielleicht aber auch nicht. Das schöne an so einem virtuellen Wohnzimmer ist doch, dass hier alles kann und nichts muss, oder? Wenn ich mich hinein setzen und plaudern möchte, kann ich die Tür jederzeit öffnen. Und wenn nicht, bleibt sie eben für ein paar Wochen zu.

23. November 2015

Herbst am Zentralfriedhof

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Bevor ich gänzlich in meiner Weihnachts- und Wintereuphorie aufgehe, möchte ich noch einige Bilder teilen, die an einem sonnigen Herbsttag am Wiener Zentralfriedhof entstanden sind. Ich mag die Friedhofsatmosphäre – nicht nur am großen Zentralfriedhof. Dort hat es mir allerdings der alte, jüdische Teil besonders angetan. Die Grabsteine und Denkmäler sind unglaublich schön und kunstvoll gestaltet. Ein Spaziergang durch den jüdischen Friedhof wirft natürlich auch Gedanken auf, die ganz und gar nicht schön sind, aber auch diese Dinge dürfen – gerade in der heutigen Zeit – nicht vergessen werden. Ich versuche in solchen Momenten immer, mir die schönen Seiten des Lebens derer auszumalen, deren Namen ich auf den Grabsteinen lese. Wer waren sie? Womit haben sie ihr Leben verbracht? Wen haben sie geliebt?

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Genau das fasziniert mich an Friedhöfen so sehr: Die vielen Geschichten, die hier gemeinsam mit den Toten begraben liegen. Die Geheimnisse, die mit ins Grab genommen wurden und die Erinnerungen an alltägliche Freuden und Leiden aus vergangener Zeit. Obwohl ich all die Menschen nicht kannte, erwachen sie in meinen Gedanken zum Leben und werden zu Protagonisten in Geschichten, die so wahrscheinlich nie stattgefunden haben. Und gleichzeitig hat die Vorstellung, dass eines Tages vielleicht jemand mir gedenkt, ohne mich gekannt zu haben, etwas sehr schönes und beruhigendes an sich.

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21. November 2015

Wintereinbruch

Die Heizung plätschert vor sich hin. Draußen fallen seit Tagen die Blätter, bald sind keine mehr übrig. Der Oktober zieht vorbei und führt uns sanft in die kalte Zeit; in die stille Zeit. Ich werde ruhig wenn die Bäume ihr Laub loslassen und die Berge im Nebel versinken. Die Farben sind warm, die Luft ist kalt. Da ist diese Frische in der Luft, die mich bei jedem Atemzug mit Leben füllt. Meine Wangen färben sich rot, ich vergrabe die Hände in den Jackentaschen; ziehe den Kopf ein und den Mantel fester zu. Aber das ist kein Rückzug, kein Verstecken, keine Resignation. Ein wohliges Einkuscheln, ein Ankommen in der neuen Jahreszeit. In der schönsten Jahreszeit.

Geschrieben habe ich diese Zeilen Ende Oktober, doch ich habe mich offensichtlich zu früh gefreut: Nachdem das Wetter im vergangenen Monat uns schon beinahe den Winter vorgegaukelt hatte, überraschte der November noch ein Mal mit einer warmen, fast frühlingshaften Atmosphäre. Für eine Liebhaberin der kühlen Jahreszeit waren die Temperaturen ja schon beinahe zu warm – zumindest für den November. Spätestens, als die Frühlingsjacke wieder herausgekramt werden musste, war es vorbei mit der (zugegeben etwas verfrühten) Weihnachtsstimmung.

Als ich heute früh die Fenster öffnete, konnte ich ihn aber endlich riechen: den Winter. Beinahe über Nacht ist die Temperatur gefallen, genauso wie die letzten Blätter von den Bäumen. Endlich können die Wollsocken, die Kuschelpullover, der heiße Tee und auch die ersten Weihnachtslieder voll genossen werden – Ich freue mich! Auf dem Heizkörper liegen jetzt Orangenschalen, die einen herrlich winterlichen Duft verbreiten. Sie riechen nach Kindheit, nach Winter und nach Weihnachten. Und gleich geht es nach draußen, um die kalte Luft ein wenig meine Wangen küssen zu lassen.

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17. November 2015

Herbstliche Auszeit in der Heimat

Vor zwei Wochen packte ich spontan meine Koffer (oder eher ein kleines Köfferchen) und fuhr für drei Tage in meine Heimat am anderen Ende Österreichs: Vorarlberg. Obwohl der Herbst sich auch in Wien von seiner schönsten Seite zeigte und nicht mit Sonnenstrahlen und buntem Laub geizte, wollte ich unbedingt raus aus der Stadt und ein paar schöne Tage am Land verbringen. 

Der Herbst ist mir die liebste aller Jahreszeiten und seit ich den Großteil meiner Zeit in Wien verbringe, sehne ich mich pünktlich Mitte Oktober ungemein nach den Wäldern und der bunten Natur zu Hause in Vorarlberg. Das Ländle begrüßte mich mit herbstlichem Sonnenschein und ich genoss ein fabelhaftes Wochenende, voll von Wanderungen, Gartenarbeit und schönen Stunden mit der Familie. 

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Ich liebe die Natur das ganze Jahr über, aber nichts geht über eine lange Wanderung an frischer Herbst- oder Winterluft. Dieses Gefühl der Erfrischung, dieses Mit-Leben-Gefüllt-Sein macht die Zeit unter freiem Himmel perfekt: Die Wangen röten sich, manchmal vernebelt der eigene Atem einem die Sicht. Und dann verflüchtigt sich der Nebel, der Himmel wird in strahlendes Blau getaucht und die Sonne wärmt dir den Rücken. 

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Die Bilder entstanden während einer Wanderung durch das Hochmoor Hochhäderich, im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland.

16. November 2015

Ein Versuch

Mit welchen Worten startet man 2015 einen Blog? Startet überhaupt noch jemand Blogs? Anfang 2010 habe ich das Experiment schon ein Mal gewagt und hatte etwa zwei Jahre lang sehr viel Freude mit meiner digitalen Spielwiese. Nicht weil meine Bilder oder meine Texte auf besonders viel Resonanz gestoßen wären (Die Leser/innen hielten sich in Grenzen), sondern einfach weil es schön war, etwas zu schaffen. Sich Gedanken zu machen um zukünftige Beiträge, die passenden Bilder zu fotografieren und vor allem, einen Raum zu haben für die eigenen Gedanken und Leidenschaften. Ursprünglich war ein reiner Fotografie-Blog geplant, der sich im Laufe der Zeit aber zu einem Möchtegern-Lifestyleblog mit Rezepten und sogar dem ein oder anderen Outfit entwickelte. Die Lust am Bloggen verflüchtigte sich, erst wurden einzelne Beiträge und schließlich der ganze Blog gelöscht. Zurück blieb eine (überwiegend) stille aber umso eifrigere Blog-Leserin, die immer wieder mit dem Gedanken spielte, doch noch ein Mal anzufangen. Und hier bin ich nun, beinahe sechs Jahre nach meinen ersten Schritten in der Bloglandschaft, und wage es erneut. 

Wohin die Reise diesmal gehen soll? Das weiß ich selbst noch nicht so genau. Ich möchte keinen Konzept-Blog mit irgendeinem hochgesteckten Ziel (sei es eine große Leserschaft oder fadenscheinige Kooperationen mit trendigen Unternehmen) - ich möchte hier all das teilen, was mir Freude macht. Oder was mich traurig macht, mich bewegt, mich lachen oder weinen lässt. Vielleicht möchte ich auch manchmal ein wahnsinnig leckeres Rezept weitergeben; euch die schönsten Ecken meiner beiden Heimaten zeigen; oder einfach nur meine oft grenzenlose Euphorie aufgurnd diverser Jahreszeiten/Feste/Bücher/Landschaften an einem Ort ausleben, an dem mir alle zuhören können, es aber niemand muss. Fräulein Lina soll mein digitales Wohnzimmer werden, in dem all die Dinge Platz haben, die mir gefallen; in dem sich manchmal Staub ansammelt und an anderen Tagen alles auf Hochglanz poliert ist; in dem ich Freunde empfange und Geschichten teile; und in dem ich mich alleine genauso wohl fühle, wie in Gesellschaft. Ich freue mich auf diesen Versuch und bin gespannt, welchen Platz dieser Blog neben Uni, Arbeit, Lieblingsmenschen und all den anderen Dingen in meinem Leben einnehmen wird. Und ganz besonders freue ich mich, wenn mich liebe Menschen auf dieser kleinen Reise begleiten.

In diesem Sinne: Willkommen! 
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